Das heulende Elend…

ist heute über mich gekommen und es geht nicht weg. Heute ist es wieder wirklich schlimm.

Noch 5 Tage. Und dann muss ich entscheiden. Der Brief an dich ist geschrieben, nicht nur einmal. Den Brief, den ich dir aus dem ersten Impuls geschrieben habe, kann ich dir nicht geben. Es waren viele Überarbeitungen nötig um überhaupt darüber nachdenken zu können, ihn dir zu geben. Aber Gott…werde ich diesen Mut haben?

„Alles Gute für die Zukunft!“

„Ja vielen Dank! Ach übrigens, ich habe da noch etwas für Sie! Übrigens: Wäre nett wenn das unter uns bleibt und nicht in der nächsten Konferenz breitgetreten wird, ok?“

Ich weiß genau wie meine Chancen dafür stehen, dass er so fühlt wie ich. Sie sind verschwindend gering, 99 Prozent gegen höchstens ein Prozent. Aber ich will nicht immer drüber nachdenken müssen, was da hätte werden können. Ich will es wissen. Und wenn nichts ist, kann ich gehen und muss nicht mehr zurückblicken. Aber so? Ich kenne mich, ich werde mich es immer fragen. Was wäre gewesen, wenn ich gefragt hätte? Wenn ich ihm einfach den Brief in die Hand gedrückt hätte? Ich will den Mut haben. Meine Mutter sagte: Vielleicht begegnest du ihm nochmal, und dann wird`s unangenehm. Ja, möglich. Aber darauf mein Leben aufbauen? Ich könnte damit umgehen, wenn er ablehnt. Besser, als wenn ich mich nicht traue. Ich möchte mich trauen…

 

Einfach mal losschreien…

…möchte ich manchmal in der Gegenwart mancher Leute. Ich gebe zu, ich bin relativ schnell auf „180“, wie man so schön sagt. Aber meistens lächel ich das weg und nach ein paar Minuten ist es dann wieder gut. Bei dem Verhalten mancher Leute habe ich allerdings manchmal das Bedürfnis, sie spontan anzuschreien. Beispiel gefälligt? Bitte schön.

Unterricht in der 8ten Klasse. Ein netter Haufen, eigentlich meine Lieblingsklasse. Heute sind sie allerdings etwas unruhig, wegen einer anstehenden oder geschriebenen Mathearbeit, irgendwas in der Art. Oder es ist den armen Kindern einfach nur zu warm. Auf jeden Fall bin ich froh, als ich sie endlich mal am arbeiten habe und Ruhe in der Klasse herrscht. Dann öffnet sich die Tür – ohne vorheriges Anklopfen, wohlgemerkt, und Frau S. betritt den Raum. Ohne mich auch nur zu begrüßen, geschweige denn sich für die Unterbrechung des Unterrichts zu entschuldigen, richtet sie ihr Wort an die Klasse und erklärt, dass der für Freitag angesetzte Test ausfällt. Aber damit nicht genug. Das System sei so schrecklich, da müsse die Klasse nicht drunter leiden. Der Test werde nachgeschrieben. In der nächsten Stunde. Themen siehe Heft. Plakate sollen hängen. Wenn nicht, gibts einen Eintrag. Wo die Plakate seien, ist den Schülern bekannt. Gandalf-Merlin, Herr R. will dich noch sehen. Bitte die Fenster am Ende der Stunde schließen. Mindestens acht Minuten labert Frau S. meine Klasse voll. Und ich sitze da. Möchte aufstehen, mich vor sie stellen und anbrüllen. Ob ihr niemand mal erklärt habe, wie man respektvoll mit Kollegen umgeht. Ob sie zu dumm ist zu schnallen, dass man sowas am Ende einer Stunde macht und dann auch nur mit einem „Entschuldigung, darf ich kurz stören?“. Müsste ich die Frau öfter ertragen, ich würde eines Tages ausrasten oder Magengeschwüre bekommen vor unterdrückter Aggression.

Autofahren mit meinem Vater, das Gespräch kommt auf die anstehenden Wahlen. „Ich wähle die AfD.“ tönt mein Vater großspurig und lässt einen Monolog los, den man ansonsten auf nicht allzu seriösen Seiten irgendwelcher Zeitungen findet, die von Leuten auf Facebook gepostet werden, die man entweder blockiert oder zumindest stummgeschaltet hat. Jede Argumentation scheitert und mein Zähneknirschen wird lauter. „ALTER!“ schreie ich in Gedanken. „LIES DOCH MAL DEREN WAHLPROGRAMM!“

Oder unser Trainer heute. Ich möchte das jetzt nicht im Detail schildern, aber manchmal denke ich mir: Du warst auch mal Lehrer. Bist du mit deinen Schülern auch so umgegangen? Empathie und Einfühlungsvermögen gleich null. Aber da sagst du ja nichts. Warum nicht? Ich für meinen Teil habe Respekt vor den Menschen. Ich weiß, wo ein Trainer steht und dass er durchaus Ahnung von dem hat, was er da sagt. Aber seit wann ist eine gewisse Sensibilität für die Arbeit nicht mehr notwendig? Ich gehe doch auch nicht in meine Q1 und sage: Heeeee, keine Ahnung wie du es hergeschafft hast, aber wenn das mit der Grammatik nicht besser wird, wird das nix mit dem Abitur!“ Nein, ich versuche zu helfen und den Schüler zu fördern. Klar, das nervt manchmal. Aber ohne Witz… wann ist es notwendig geworden, die Leute permanent scheiße zu behandeln?

 

 

 

Kurze Geschichte über dich.

Als ich dich das erste Mal sah, hattest du mein Leben komplett in der Hand. Nicht weil ich damals schon so empfand, wie ich es heute tue. Sondern weil du die Macht hattest, mein Leben auf einen Schlag zu vernichten. Ich hatte Angst vor dir. Ich fürchtete dich und ich fürchtete den Tag, an dem wir uns begegnen sollten. Der Tag der alles entscheidenden Prüfung. Noch nicht einmal zwei Monate ist das jetzt her.

„Keine Sorge“ sagte meine Kollegin, die dich damals schon kannte. „Der will dir nichts. Der mag glaube ich keine Menschen.“ Oh gut! Sowas braucht man an diesem Tag. Meine Angst vor die stieg ins Unermessliche. Gute Menschen halfen mir damals, durchzuhalten – auch wenn es nur durch einen Kaffee war.

Natürlich erkannte ich dich sofort. Man googelt und recherchiert sehr genau, wem man gegenübersitzen wird. Ich sagte, ich erkannte dich. Aber ich sah dich nicht. Ich hatte nicht geschlafen, keine Sekunde. Ich war so müde, so voller Adrenalin. Angst und Zuversicht prallten aufeinander und bildeten eine Mischung, die mich in einen Ausnahmezustand versetzte. Ich sah dich nicht in der ersten Stunde, die top war, ich sah dich auch nicht in der zweiten Stunde, während ich gelassen einem Chaos gegenüberstand. Ich sah dich auch nicht, als ich im Gespräch mit euch meine Angst vergaß und wieder für das brennen konnte, was ich liebend gerne tue.

Aber du sahst mich. Du stelltest mir kaum eine Frage, aber das, was ich anderen sagen konnte, beeindruckte dich wohl. Und entgegen aller Pläne folgte ich deinem Ruf und landete vor drei Wochen bei dir. Und jeden Tag sah ich dich etwas mehr. Ich hoffte, dich zu treffen, und fürchtete gleichzeitig deinen Blick. Mehr und mehr beeinflusstest du meine Stimmung. Ein Hallo rettete mir den Tag, blicktest du an mir vorbei, war die nächste Zeit gelaufen. Für ein kurzes „Tschüss“ und einen netten Blick blieb ich länger als alle anderen (ich wäre wohl noch viel länger geblieben als ich es tat).

Ich weiß nicht, wie ich es ertragen kann, dich nicht mehr jeden Tag zu sehen. Es ist gut so, dass weiß ich auf der einen Seite. Auf der anderen Seite könnte ich sterben bei dem Gedanken daran. Soll ich dich fragen? Soll ich dir diese Geschichte erzählen? Lachen wirst du nicht, so schätze ich dich nicht ein. Zumindest nicht vor mir. Ich kenne dich privat nicht, liebe nur die Figur, die du repräsentierst. Oder liebe ich den Teil, der durch die Repräsentation schimmert? Ich hätte so gerne wenigstens die Chance, es herauszufinden. Unvorstellbar, von dir fortzugehen…

 

Noch so ein Mädel mit einem Blog…

…wird wohl der mehr oder weniger interessierte zufällig vorbeischauende Leser sagen. Ich schreibe diesen Blog weder ausschließlich für mich (jeder der so etwas behauptet, der lügt wohl, denn er würde die Form des Tagebuches wählen.) noch ausschließlich für den zufälligen Leser, der hier vorbeistolpert. Sondern beides.

Mein Herz quillt über, ich muss mit jemandem über so vieles reden, aber oft geht das nicht. Zu peinlich, zu intim, zu wenig Abstand. Für manche Geschichten braucht man keine Freunde, sondern einen zufälligen Besucher, einen objektiven Beobachter. Ich schreibe, wenn mir danach ist. Keine Regelmäßigkeiten, keine Verpflichtungen. Ich schreibe Prosa, ich verfasse Lyrik. Ich schreibe, was aus dem Herzen kommt, denn mein Kopf ist während meines Berufs beschäftigt genug.

Wer meine Texte nicht mag und oberflächlich findet, der soll sich einen Gedichtsband von Goethe kaufen, das ist besser investierte Zeit und mehr Tiefgang. Falls ihr aber doch daran interessiert seid, für einige Minuten…vielleicht eine halbe Stunde…mein Leben mit mir zu teilen, seid ihr dazu herzlich eingeladen.